Gottesdienste

Pfingst-Predigt:

Seinen 72. Geburtstag feiert er heute, immerhin. 
Friedlich und gut miteinander auskommen – das war für ihn immer Anliegen. Ja, das war und ist die Grundlage seiner Existenz. Sein Geburtstag gerade heute an diesem kirchlichen Festtag Pfingsten – ob Zufall oder nicht – das passt wunderbar:
Erzählt doch auch dieses Pfingstfest von dem alten Menschheits-traum: Sich mit anderen gut verstehen, eine Sprache sprechen…
Auslandsreisen sind gerade nicht so angesagt, nach Palästina schon gar nicht.
Aber auch schon hier bei uns erfahren wir an allen Ecken und Enden, wie wenig das klappt: mit dem sich verstehen…
Nicht nur nicht zwischen Palästinensern und Israeli, oftmals ja auch nicht zwischen Mann und Frau, zwischen Alt und Jung, zwischen Ost und West,  schon Geimpften und noch nicht Geimpften, Wohlhabenden und denen, die Hilfe zum Lebensun-terhalt beziehen, oft genug nicht einmal zwischen Geschwistern. Wie verschieden sind doch die Sprachen, die wir sprechen. Und wie verschieden sind eben auch die Wahrheiten, die je eigenen Wahrheiten. 
Es gibt keine Weltsprache für uns alle. Weder Englisch noch Esperanto kann jede und jeder verstehen. 
Jesus hat beides nicht gesprochen. Seine Muttersprache war wohl Aramäisch, ein Dialekt einer Gruppe jener Zeit. Und doch: er hat eine Sprache gefunden und gesprochen, die alle verstehen, egal wo sie leben und vor allem egal wie sie leben. Es geht bei dieser Sprache nicht um Vokabeln oder um Grammatik:
Einander zuhören und annehmen, ein Stück Brot brechen und aus einem Becher trinken, im Gegenüber die Schwester oder den Bruder sehen, sie, ihn versuchen zu verstehen.
Verstehen suchen“   - das ist Ausrichtung zu leben, eine Lebens-Richtung. 
„Verstehen suchen“ ist eine andere Richtung als „sich einen Namen machen wollen“, wie in der biblischen Geschichte vom Turmbau zu Babel. 
"Verstehen suchen“ ist die Gegenrichtung zu „Sieger“ sein wollen, wie im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, wo alle verlieren, aber – was für ein Irrsinn – beide Seiten sich zu Siegern erklären.
„Verstehen suchen“ ist fundamentale Opposition zu jeder Dikta-tur und auch zu hierarchischer Verordnungs- und Basta-Politik.
 Es ist eine schwierige Sprache, eine anstrengende Sprache.
Sie setzt Selbstbewusstsein voraus. Das Selbstbewusstsein, die eigenen Wahrheiten infrage stellen zu können und Kompromiss-fähig zu bleiben.
Manchmal, wenn ich von Familienzwistigkeiten aus anderen Fa-milien höre, dann schüttele ich innerlich den Kopf und frage mich: warum kann da nicht eine oder einer mal ein Stück über den eigen-en Schatten springen, einen Schritt machen auf die Anderen zu?
Und manchmal, wenn ich auf Konflikte schaue, in denen ich selbst stecke, dann spüre ich: wie eng begrenzt sind deine eigenen „Schatten-Spring-Fähigkeiten“, deine eigene Beweg-lichkeit und Kompromissfähigkeit.
Sich mit solchen grenzen – auch eigenen Grenzen – nicht ab-finden – da kommt für mich der Glaube ins Spiel: Glaube heißt doch: Gott alles zutrauen – egal an welchem Ort im Leben.
Gottes Heiliger Geist - das ist die Kraft, die wachsen lässt, uns über uns selbst hinauswachsen lässt.
Die Kraft, die - zumindest ab und an - hilft, eigene Grenzen zu überschreiten.
Gottes Geist – er wirkt, wo wir auch ungewohnte Gedanken zulassen können.
Wo wir fähig werden, etwas zu tun oder zu lassen, zu dem wir sonst nicht die Kraft fänden.                        Gottes Geist – Wo wir Zuversicht finden, die uns befähigt, uns selbst zu ändern und dann auch unsere Umgebung.
Gottes Geist - wo der Antrieb nicht ist, «den eigenen Namen groß zu machen», auch nicht, eigene Wünsche erfüllen, sondern Hoffnung zu säen für alle.
Ich muss sagen, manches von diesem Geist ich erkenne in den Jugendbewegungen dieser Tage - ich spreche nicht von den kirchlichen. Klar gab und gibt es immer auch Dumpfbacken, aber wieviele gerade auch junge Menschen übernehmen Verantwortung – ob in dieser Pandemie für Ältere und Gefährdete, für Umwelt und Klima, für Politik und neue Wege des Zusammenlebens. Nicht um sich einen Namen zu machen, sondern gemeinsam nach bestmöglichen Antworten zu suchen.                       Das macht Mut und schenkt Zuversicht. Natürlich nicht nur Jüngere! Auch viele, viele Ältere, die das tun, sich einbringen, engagieren für Zusammenleben und Miteinander.   
„Verstehen suchen“
Er gehört zu den Älteren mit seinen 72 Jahren. Am 23. Mai 1949 wurde er verkündet – der Text des Grundgesetzes. Ein Gesetzestext, aber einer, der viel atmet vom Geist des Pfingstfestes «Verstehen suchen».
Er bietet nicht Antworten auf alle Fragen und Probleme heute; aber er ist eine gute Basis, um gemeinsam nach bestmöglichen Antworten für die Fragen unserer Zeit zu suchen.                                       Und er schützt uns Minderheiten – ob christlich, jüdisch, musli-misch oder anders Glaubende – und gibt Freiraum, dass wir unseren Gott bitten, er möge uns mit seinem Geist begleiten.  
Der Friede Gottes, der höher und tiefer reicht als all unser Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen
Mit herzlichem Gruß
Ihr Pascal Misler

Gottesdienstplan

Quelle: KG Hetjershausen

Impressionen vom Regionalgottesdienst im August

Quelle: eig. Bilder
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Quelle: eig. Bilder
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